Was kosten Fehler?
Ich bin Jongleur. Ich bin ein Ein-Mann-Unternehmen, meine Mitarbeiter sind meine rechte Hand, die linke, die Füße, Beine, Knie, …Heute: Die Kosten eines Fehlers.
Kürzlich hat meine rechte Hand gekündigt, sie hat eine neue Stelle angenommen, bei einem großen Jongleur. Er ist 1,90m groß, da hat sie noch deutlich mehr Wachstumschancen als bei mir, mit meinen 1,70m. Ich schrieb die Stelle aus, führte Bewerbungsgespräche und habe dabei viele Hände geschüttelt. Für die Entscheidung hatte ich allerdings nicht viel Zeit. Eine wichtige Show, für einen Stammkunden, stand an und die neue Hand musste ja schließlich noch eingearbeitet werden. Ich wollte die Show nicht absagen und dem Kunden auf keinen Fall einen anderen Jongleur empfehlen müssen. Zudem war der Auftrag gut bezahlt. Also entschied ich mich für eine linke Hand mit exzellenten Zeugnissen und einer hervorragenden Motivation.
Anfangs tat sich die neue Hand etwas schwer auf der neuen Position, aber einen Großteil der Aufgaben meisterte sie tadellos. Also passte ich die Performance etwas an die reduzierten Möglichkeiten an.
Im Druck des Scheinwerferlichts fiel die neue Hand allerdings öfters in ihre alten Bewegungsmuster zurück und warf Bälle in die falsche Richtung. Mein Kunde hat sich nach der Show nichts anmerken lassen, engagierte aber für die Folgeaufträge jemand anderen. Das Training für die neue Hand stellte sich als extrem aufwändig heraus. Mein Unterarm bekam dabei eine Sehnenscheidenentzündung und fiel immer wieder aus. Das machte meinem Kopf viel zu viele Sorgen und er war nahe am Burn-out. Ich musste immer mehr Auftritte absagen.
Die Kosten für den Fehler in der Personalie waren immens. Am Anfang hätte ich nur eine Show absagen müssen, um mir mehr Zeit für ein besseres Recruiting zu nehmen. Inzwischen sind mehr als zehn Verträge verloren gegangen, einige meiner Mitarbeiter (Handgelenk, Ellbogen, Schulter) haben ernsthafte gesundheitliche Schäden erlitten und das Problem ist immer noch nicht vorbei. Ich muss die neu eingestellte Hand entlassen und mir wieder eine neue Hand suchen. Und dieses Mal stehe ich am Ende bestimmt nicht wieder mit zwei linken Händen da.
Die sogenannte Zehnerregel besagt, dass sich Fehlerkosten, also Kosten, die aus Fehlern entstehen, in Zehner Potenzen steigern. Wird ein Fehler unmittelbar behoben kostet er eine Einheit. Wird er nicht sofort behoben steigern sich die Fehlerkosten bei mit jedem weiteren Prozessschritt um das zehnfache.
Bildbearbeitung: skywalkpictures.de
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Über Andreas Gebhardt:
Andreas Gebhardt übersetzt die harten Zahlen der Wirtschaft in die flüssigen Bewegungen der Jonglage. Als Wirtschaftsexperte und internationaler Keynote Speaker zeigt er in seinen besonderen Vorträgen zur Fehlerkultur, dass Fehlervermeidung oft teurer ist als ein kluger Umgang mit dem Scheitern.
Er begleitet Unternehmen dabei, den Mut zum Change zu finden und eine Kultur zu etablieren, die wirtschaftlichen Erfolg mit menschlicher Leichtigkeit verbindet.
