Luftakrobatik ohne Netz: Warum Risiken vermeiden eine gute Idee ist
Jongleure jonglieren nicht mit Eiern. Das Risiko ist zu groß. Denn wenn sie zerschellen, war's das mit der Nummer. Selbst die unberechenbaren Silikonbälle, die wild wegspringen, meiden viele Profis. Zu riskant, zu schwer wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Schau dir Luftakrobaten an: Die meisten nutzen ein Netz oder eine Longe. Nur wenige, die sich für unfehlbar halten, nutzen weder Sicherheitsnetz noch Longe.
Das Problem dabei? Viele Zuschauer können nicht mehr hinschauen, wenn keine Absicherung zu sehen ist. Die Angst davor, einen Absturz live miterleben zu müssen, ist größer als die Faszination für die Kunst.
Genauso ist es in der Wirtschaft. Wer Innovation fördern will, den großen Wurf wagen will, klärt vorher ab, was für Sicherheitsmaßnahmen erforderlich sind. Und wenn man ohne Netz unterwegs ist, dann beschränken sich viele lieber darauf auf Nummer sicher spielen. Status Quo erhalten, Wegschauen, Vermeiden, Ideen lieber träumen als umzusetzen.
„Soll mein 20-jähriges Kind ein Startup gründen und womöglich in die Privatinsolvenz gehen? Da empfehlen wir doch lieber das Beamtentum."
Wir verlangen von Unternehmern, was kein Varieté-Künstler tun würde: Luftakrobatik ohne Netz. Kein Wunder, dass immer weniger in die Luft trauen, weniger gründen. Und immer weniger Menschen bereit sind Verantwortung übernehmen wollen.
Kein Sicherheitsnetz: Die total nachvollziehbare rationale Blockade
Es gibt glaube ich kaum ein so gültiges Gesetz für Change und Innovation wie das:
Kein Mensch macht etwas, was ihm selbst schadet.
Menschen sind nicht risikoscheu, sie sind vor Allem schmerzscheu. Wenn eine Innovation oder ein Change-Projekt ein gefühltes Existenzrisiko bedeutet, dann ist Nichtstun die rationale Antwort.
Sicherheitsnetze senken die wahrgenommene und reale Schmerzschwelle. Wer Innovation fördern will, sollte also nicht (nur) auf den Charakter der Mitarbeitenden achten, sondern auf den Kontext. Wenn der Absturz existenzbedrohend ist, ist Verzicht auf Innovation und Veränderung logisch. Wer Teams also zu mehr Innovation drängt, ohne ein Netz zu spannen, fordert Opfer – keine Experimente.
Giedrius Jucevičius bei TEDxKaunas hat das präzise formuliert:
„Es geht nicht darum, was du gewinnen kannst. Sondern: Wie viel Verlust kannst du verkraften?"

Beispiele wie Innovation fördern gelingt, oder auch nicht
Im Silicon Valley lautet das unausgesprochene Versprechen: Wenn dein Startup scheitert, bist du nicht verbrannt. Du bist erfahrener. Mit dieser Erfahrung findest Du leichter Anschluss in einem anderen Unternehmen. Venture Capital-Funding pro Kopf liegt dort 8x höher als in Deutschland.
In Nordeuropa werden Gründer durch ein solides Sozialsystem abgesichert. Scheitern heißt nicht „Haus weg". Deshalb belegen diese Länder im Top 3 im Global Innovation Index 2025 gute Plätze: Schweden Platz 2, Finnland Platz 7, Dänemark Platz 9 Starke Risikobereitschaft wird durch soziale Sicherheit ermöglicht. Ein Versuch ist immer drin.
Schweiz (Platz 1 GII 2025): Investiert 5x mehr Venture Capital pro Kopf als Deutschland (€325 vs. €65). Hier wird ein Dezentrales Netz aus Sozialsystem + Startup-Kultur gelebt, das Experimente sicher macht.
Deutschland: In Deutschland funktioniert das System wie eine Warnanlage: „Wenn du fällst, bist du mindestens 3 Jahre aus dem Spiel." Eine Privatinsolvenz dauert 3-6 Jahre bis zur Restschuldbefreiung, dazu kommt noch eine Geschäftsführer-Sperre bis 3 Jahre . Und auch noch ein dauerhaft schlechter SCHUFA -Score, der die Kreditvergabe erschwert. Damit haftet an einem gescheiterten Gründer das Stigma des Scheiterns.
Ergebnis im Global Innovation Index 2025: Deutschland rutscht aus Top 10.Privatinsolvenz, Schufa-Hürden, 3-Jahres-Sperre und gesellschaftliches Stigma wirken wie ein eingebauter Innovationskiller.
Innovation fördern als Führungsaufgabe heißt: Netze spannen
Sicherheitsnetze ausspannen ist eine zentrale Führungsaufgabe. Wer Innovation fördern will, muss dafür sorgen, dass Menschen beim Experimentieren nicht ihren Status, ihre Karriere oder ihre Existenz verlieren.
Ein einfaches Testkriterium für gute Führung: „Kann jemand in meinem Team ein mutiges Experiment machen und hinterher trotzdem ruhig schlafen?" Noch besser: Kann jemand ein Experiment wagen und dabei Ansehen gewinnen – auch wenn es schiefgeht?
Was passiert ohne Netz? Häufige Risiken, die Mitarbeitende bremsen:
Bloßstellung vor dem Team oder dem Chef, z. B. wenn das Projekt scheitert und du den Kopf hinhalten musst.
Mehraufwand ohne Anerkennung, während andere sich drücken.
Fehlende Unterstützung: Der Chef lässt dich fallen, vergibt dir uninteressante Projekte oder blockiert deine nächsten Ideen.
Ein Netz spannen heißt genau das ausschließen. Es schafft psychologische Sicherheit, damit Experimente nicht nach hinten losgehen – sondern belohnt werden, unabhängig vom Ausgang. Mehr dazu in meinem letzten Blogartikel „Psychologische Sicherheit aufbauen".
Fazit: Weniger Helden, mehr Architektur
Wir brauchen weniger Heldensaga und mehr Sicherheitsarchitektur. (sonst wollen alle Lehrer werden)
Naivität sollte keine Voraussetzung für Mut sein. Menschen werden mutig, wenn sie nicht viel zu verlieren haben.
Das gilt übrigens auch im Negativen: Hat jemand alles verloren, ist die Hürde zur Kriminalität kleiner. Studien zeigen, dass Armut und Arbeitslosigkeit Kriminalitätsraten um 20-50% steigern. Wer nichts mehr zu verlieren hat, wird risikobereit
Oder:
Risiko wird dann zum sichersten Schritt, wenn das Netz darunter stabil ist.
Wer Innovation fordert, ohne dieses Netz zu bauen, produziert keine Pioniere – sondern Vermeider und Opfer.
Vorträge und Formate: Innovationskraft durch Sicherheit
Warum Unsicherheit vermeiden der falsche Weg ist – Vertiefen Sie den Gedanken: Warum das Netz nicht dazu da ist, Fehler zu verhindern, sondern den Mut zum Experimentieren erst möglich macht.
Referenzen & Kundenstimmen: Sehen Sie, wie namhafte Unternehmen durch Andreas Gebhardts Impulse den Mut gefunden haben, neue Netze für ihre Innovationsprojekte zu spannen.
Interaktive Vorträge: Erlebnisse, die hängen bleiben: Erleben Sie das Prinzip „Netze spannen" als visuelles und haptisches Highlight für Ihr nächstes Event: So wird Innovationskultur greifbar.
Quellen:
https://www.youtube.com/watch?v=knbor7jyePo „Not too smart: making decisions under uncertainty | Giedrius Jucevičius | TEDxKaunas" Veröffentlicht: 29. Januar 2018
Quelle: Farrington et al., „Poverty and Crime" (Kriminologische Langzeitstudien) Meta-Analyse: Armut erhöht Kriminalitätsris
Über Andreas Gebhardt
Andreas Gebhardt, internationaler Keynote-Speaker für Change Management und Leadership, spannt mit über 5000 Shows als Ex-Profi-Jongleur Sicherheitsnetze unter Unsicherheit und macht Mut zur Innovation möglich. Erleben Sie seine Vorträge zu Fehlerkultur, Mut zum Change und weitere interaktive Formate live auf Ihrem Event. Vereinbaren Sie jetzt ein unverbindliches Gespräch.
